Zerstörte Autos im Viertel Bab al-Draib in der syrischen Stadt Homs © Omar Bawab/Reuters
Nach einem Jahr des hemmungslosen Beschusses von Demonstrationszügen, Dörfern und Stadtteilen stimmt der syrische Diktator Baschar al-Assad einem Friedensplan des UN-Sondergesandten Kofi Annan zu. Damit verpflichtet sich der Machthaber von Damaskus, "schwere Waffen" und "Truppenkonzentrationen" aus bevölkerten Gebieten abzuziehen. UN-Beobachter sollen die Waffenruhe überprüfen. Der Plan mit dem Segen des UN-Sicherheitsrats sieht vor, dass "sämtliche Parteien" die Gewalt einstellen und einen "politischen Prozess" einleiten. In ihm würden "das legitime Streben und die Sorgen des syrischen Volkes" behandelt werden. Die Kröte für die Opposition: Assad soll vorerst an der Macht bleiben.
Kann dieser Plan funktionieren? Werden sich der Diktator und die bewaffnete Opposition an die Waffenruhe halten? Wenn sie es tun, könnte Syrien vor dem Abgrund des Bürgerkriegs gerettet werden. Wenn sie es nicht tun, würde eine internationale Intervention dringlicher werden. Was sind die wahrscheinlichsten Szenarien?
Im März trafen sich an einem anderen Schauplatz der arabischen Revolution – in Kairo – Aktivisten, Politiker und Diplomaten aus dem Nahen Osten und Europa. Die Hamburger Körber-Stiftung hatte zum renommierten Bergedorfer Gesprächskreis geladen, der die Zukunft der arabischen Aufstände diskutierte – und natürlich Syrien. Um die Chancen des Friedensplans einschätzen zu können, muss man die Zahlen kennen, die ein Mitglied der oppositionellen Lokalen Koordinationskomitees Syriens in Kairo präsentierte.