Fayez ist ein Medienaktivist der ersten Stunden der Revolution in Syrien. 2011 schloss er sich den Protesten für Freiheit, Demokratie und Würde an und dokumentierte in seiner Heimatstadt Membidsch die Menschenrechtsverletzungen durch das Assad-Regimes. Nach dessen Rückzug baute er mit der Unterstützung von Adopt a Revolution das Zentrum für Zivilgesellschaft auf und half, einen Sender für ein lokales Radio, finanziert aus den Mitteln der deutschen Bundesregierung, aufzustellen. Doch aufgrund seines zivilgesellschaftlichen Engagements bedrohte ihn der IS mit der Enthauptung via Facebook, nachdem sie dauerhaft die Kontrolle über die Stadt hatten. Man müsse ja nicht gleich seinen Kopf verlieren, wie er uns einst sarkastisch mitteilte, dennoch war die Gefahr so groß, dass er in die Türkei flüchtete. Weil ihn dort die Perspektivlosigkeit einholte, entschloss er sich zur Flucht nach Deutschland. Auf diesem Weg entstand der beeindruckende und bewegende Chat via Facebook über die (Un-)Menschlichkeit der Flucht.
Handy-Aufladestation syrischer Geflüchteter irgendwo in Mazedonien Foto: Fayez
Im Wald 3. Oktober 2014 Julia: Salam, Faiz. Wo bist du? Ich hab von unserem Freund Hozan gehört, dass du unterwegs bist. 4. Oktober 2014 Faiz: Ich bin in Mazedonien, im Dschungel. Vielleicht gehe ich zurück nach Griechenland. Julia: Kann ich dich irgendwie unterstützen? Faiz: Ich weiß nicht. Wir leben wie Affen, zwischen den Bäumen. Es ist unmöglich, nach Serbien zu gelangen. 14 Tage, inmitten von Bäumen. Julia: Ich habe eine gute Freundin mit Freunden in Mazedonien. Ich ruf sie noch heute an. Wahrscheinlich leben die in Skopje. Später am Tag Julia: Es tut mir leid, dass du das alles durchmachen musst. Skopje ist etwa 140 Kilometer weit weg von dort, wo du jetzt laut Facebook bist. Faiz: Mein Akku ist gleich leer. Vielleicht gehe ich zur Polizei. Um diese furchtbare Reise zu beenden und nach Athen zurückzugehen. Julia: Oh. Sie würden dich einfach zurück nach Athen schicken? Faiz: Ja. Nachdem sie uns geschlagen haben. Julia: Kannst du dein Handy aufladen? Ich kann versuchen, über diese Freunde Geld zu schicken. Faiz: Neiiiiin! Ich brauche kein Geld. Julia: Ok. Faiz: Wir müssen Menschen bleiben. Nur das. Julia: Ja. Faiz: In dieser schrecklichen Welt. Julia: Du bist ganz sicher ein Mensch! Faiz: Ja. Julia: Du wirst also nach heute erstmal nicht mehr schreiben können? Faiz: Ich werde probieren, das Handy in irgendeinem Dorf aufzuladen. Julia: Versucht jemand aus Deutschland, dich hierherzuholen? Faiz: Ist das möglich? Julia: Ich bin mir nicht sicher. Ich werde es herausfinden. Faiz: Ich schicke dir Fotos. Julia: Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Faiz: Mach dir keine Sorgen. Julia: Frohes Fest euch allen. Faiz: Frohes Fest dir. Und vielen Dank. Julia: Ich werde mich über die Leute in Mazedonien schlau machen. Sind die anderen dort, bei dir, Syrer? Faiz: Alles Syrer. Julia: Ich schreibe, wenn ich mehr weiß. Halt mich auf dem Laufenden. Faiz: Sag das nicht, also das mit der Unterstützung. Julia: Ok. Warum nicht? Faiz: Neiiiiin! Auf keinen Fall! Julia: Wir brauchen alle manchmal Unterstützung. Faiz: Ja, manchmal. In etwa fünf Minuten ist mein Akku leer.
