Das Regime ist nicht der Staat – von André Find

Article  •  Publié sur Souria Houria le 2 janvier 2014

Daraa, die 200.000-Einwohner Grenzstadt zwischen Syrien und Jordanien, ist seit Monaten geteilt. Einen Teil kontrolliert die Assad-Armee, einen anderen Teil die bewaffneten Rebellen. Dazwischen steht die oppositionelle Stadtverwaltung, die entstanden ist, als der Bürgermeister geflohen ist. Sie organisiert die zivilen Dienstleistungen für die BürgerInnen – in beiden Teilen der Stadt. Adopt a Revolution unterstützt die Arbeit der alternativen Stadtverwaltung.

Jeden Morgen erkundigt sich Mutasem Mahamid ausführlich per Telefon, wo es an diesem Tag Arbeit gibt: Wie stark ist der Beschuss in der Nachbarschaft? Weiß einer der Kollegen bereits, ob das Stromnetz beschädigt oder zerstört wurde?

Der 27-jährige Elektriker ist von diesen Informationen abhängig. Gemeinsam mit seinen Kollegen ist er für die Stromversorgung der 200.000-Einwohner-Stadt verantwortlich. “Wir arbeiten meistens in Gebieten, die kurz zuvor schwer bombardiert wurden. Es besteht dabei immer die Möglichkeit, dass in unmittelbarer Nähe wieder etwas einschlägt”, erklärt Mahamid die Gefahren seines Berufs. “Doch das gilt für alle Menschen in Daraa.” Dort, an der Grenze zu Jordanien, begann im März 2011 der Aufstand gegen die Assad-Diktatur. Heute bekämpfen sich in der Stadt Regimekräfte und die Freie Syrische Armee.

Mit Zunahme der Kämpfe brach die öffentliche Versorgung zusammen, bis im Februar 2013 eine oppositionelle Stadtverwaltung gegründet wurde. Mittlerweile ist sie für den Großteil der Infrastruktur zuständig: den Betrieb der Wasser- und Stromnetze genauso wie die Straßenreinigung, die Müllentsorgung, die Organisation der Feuerwehr sowie das einzige verbliebene Krankenhaus.

Dr. Jumana Alhorani ist Ärztin und Vorstandsmitglied der Kommission für Zivile Verteidigung in Daraa. “Unser Ziel ist, die öffentliche Versorgung in Gang zu halten. Wir wollen zeigen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Regime und Staat”, erklärt sie. “Zudem bezahlen wir die Arbeiter wieder, wenn auch nur ungefähr 60 Euro pro Monat. Aber die Entlohnung ist ungemein wichtig, denn sie gibt den Menschen ihre Würde zurück.”

Mahamid lebt mit Frau und drei Kindern am Stadtrand von Daraa. “Wenigstens kann ich den Lebensunterhalt für meine Familie bestreiten. Wir können in unserer Heimatstadt bleiben und müssen nicht in Armut in einem Flüchtlingslager jenseits der Grenze leben.” Er beschreibt, wie die Kommission den Zusammenhalt in der Stadt stärkt: Auch BewohnerInnen, die weiterhin das Regime unterstützen, schätzen die Arbeit der Kommission.

source : https://www.adoptrevolution.org/das-regime-ist-nicht-der-staat/

date : 25/12/2013



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