AktivistInnen in Syrien: Hoffnungen auf Gespräche in Genf? von André Find

Article  •  Publié sur Souria Houria le 17 janvier 2014

Seit über einem Jahr sollten die internationalen Syrien-Gespräche wieder aufgenommen werden. Wenige Tage bevor in Montreux bei Genf die Verhandlungen beginnen, haben wir AktivistInnen in Syrien gefragt, was ihre Hoffnungen in Bezug auf Genf II sind. Wir dokumentieren hier einige Aussagen.
In einem Interview mit dem Deutschlandradio haben wir eine erste politische Einschätzung zu den Genf 2-Verhandlungen abgegeben. Hier können Sie das Interview nachhören.

jegerJeger, Student, 29, Qamishli
Die internationale Gemeinschaft hat den Menschen in Syrien nach all den Enttäuschungen kaum noch etwas anzubieten. Zwar haben sich die Staaten endlich auf eine Gesprächsrunde in Genf geeinigt, aber eigentlich erwarte ich nur weitere Enttäuschungen. Denn damit etwas passiert, müssen die großen Staaten endlich ihre Interessensgegensätze überwinden und Assad fallenlassen.

Qusai Zakarya, Aktivist, 28, Moadamiya
Bis vor Kurzem wurden wir vom Assad-Regime belagert und unser Stadtteil systematisch ausgehungert. Da gab es Wichtigeres, woran das wir gedacht haben, zum Beispiel Essen für die Kinder. Mir ist klar, dass verschiedene Gebiete in Syrien verschiedene Interessen haben. Aber ich hoffe auf Einigkeit an dem Punkt, dass es als Lösung nicht ausreicht, wenn Assad geht – sondern das gesamte System der Sicherheitsapparate abgelöst werden muss.

fayezFayez, Philologe, 27, Menbej
Nach dem Assad-Regime kamen die radikalen Dschihadisten in unsere Stadt, um uns zu unterdrücken. Obwohl wir nicht aufgegeben haben, uns zu wehren, bin ich inzwischen bereit, alles zu akzeptieren und barfuß durch das Höllenfeuer zu gehen, solange das Leiden der Menschen in Syrien endet und eine freie Gesellschaft mit Frieden und Gerechtigkeit entsteht. Hoffentlich sind die Verhandlungen ein Weg dorthin.

Abu Ahmad, Lehrer, 26, Erbin
Natürlich hoffe ich auf eine politische Lösung für den Konflikt. Denn wenn wir nicht jetzt keine Lösung finden, dann wird es nur noch schwieriger, die Probleme zu lösen. Ich wünschte, wir könnten einfach von Neuem beginnen und unser Land wieder aufbauen. Aber ich weiß, dass die Realität eine ganz andere ist!

Mohammad, Aktivist, 27, Daraya
Ehrlich gesagt denke ich überhaupt nicht über Genf II nach. Ist das auch eine Meinung?

Hassan in Deir ez-ZorHassan, Ingenieur, 26, Deir ez-Zor
Die westlichen Staaten haben schon so viele Chancen verstreichen lassen, etwas für Syrien zu tun. Deswegen glaube ich nicht, dass sie jetzt in Genf etwas unternehmen werden. Zwar tun alle so, als wollten sie eine Lösung, aber keiner tut wirklich etwas dafür. Ich zähle nicht mehr auf die westlichen Staaten – aber ich hoffe, dass die Bevölkerung in anderen Ländern etwas unternimmt, uns SyrerInnen zu helfen.

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Kategorien: Berichte aus SyrienSyrischer Frühling-Blog | Schlagwörter: , ,
source : https://www.adoptrevolution.org/genf-hoffnungen/
date : 16/01/2014


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