Assyrisches Neujahr, neue Medien in Syrien, staatliche Propaganda und Ärzte im Fadenkreuz – Netzschau 02. April – von Barbara

Article  •  Publié sur Souria Houria le 3 avril 2013

Gestern wurde in Teilen Syriens das assyrische Neujahr Akitu gefeiert, so auch in der Provinzhauptstadt Hassake im Nordosten. Das Fest wurde vom lokalen Zentrum für brüderlichen Zusammenhalt ausgerichtet und assyrische, kurdische wie syrische Unabhängigkeitsflaggen gehisst. Die Stadt Hassake ist Heimat vieler Ethnien und Konfessionen, das lokale vereinigte Komitee wird von AaR gefördert. Auch in Qamishli an der Grenze zur Türkei haben Assyrer  Akitu begangen und zugleich für Freiheit demonstriert. Syrian Nonviolence Movement teilte dieses Bild einer Kampagne für gesellschaftliche Vielfalt unter dem Motto „Von Nauroz bis Akitu“. Nauroz ist das kurdische Frühlingsfest und wird um den 21. März begangen.

Seit zwei Jahren entstehen in Syrien neue Medien, die dem staatlichen Monopol trotzen und die Revolution aktiv begleiten. Vor kurzem verstarb das Redaktionsmitglied Ahmad Shahade der Zeitung Enab Baladi aus Daraya/Damaskus. Das Magazin Sendian (Eiche) von der syrischen Küste (Region um Lattakia) hat Ahmad Shahade in der aktuellenAprilausgabe die Seite „Persönlichkeit der Revolution“ auf Seite 22 gewidmet. Dass die neuen Untergrundmedien die Kommunikation zwischen den verschiedenen Regionen Syriens erleichtern, zeigt sich auch in der aktuellen Sendian. Im Fokus der Ausgabe stehen die ersten Proteste 2011, dazu werden auf den Seiten 6-10 in „Die ersten Schreie der Revolution“ viele Fotos gezeigt. Am 17.02.2011 kam es in Damaskus zu einen spontanen Protest gegen Polizeigewalt sowie im Februar und März zu weiteren Demonstrationen, bevor die Revolution in Daraa am 18.03.2011 endgültig ausbrach.

Seite 23 beleuchtet die Kurdenfrage vor dem Hintergrund der Spekulationen, dass es in Syrien zu einer kurdischen Sezession kommen könnte. Sendian betont, dass von Beginn an die Kurden zwar mehr Autonomie und kulturelle Rechte einforderten, sich aber mit der Revolution solidarisierten und die nationale Einheit nicht verworfen hätten. Politische Parteien wie die PKK seien mit ihren Agenden auf den Zug der Proteste (militärisch) aufgesprungen. Man müsse die Probleme der Bürger – Kurden wie Araber – jedoch praktisch angehen und die Idolisierung Syriens als „arabischen“ Staat verwerfen. Sendian sieht ein gemeinsames Syrien aller Ethnien.

Format stellt das syrische Radioprogramm „Brise aus Syrien“ vor, das aus der Türkei operiert und in fast der Hälfte aller Haushalte in der Provinz Aleppo empfangen werden kann. Ein kleines Büro operiert auch in Aleppo selbst. Die Gründerin des Radios ist gerade mal 22 Jahre alt, aber schon seit 2011 als Bürgerjournalistin aktiv. Das Radio sendet Musik, Informationen und praktische Tipps für das Leben im Kriegsgebiet.

Wie hingegen staatliche syrische Propaganda aussieht, kann man in diesem Video mit der „First Lady“ Asma al-Assad anschauen. Das Video ist auf Arabisch, die Bilder sprechen für sich. Das aufwendig produzierte Video ist den Müttern der Soldaten und Märtyrer gewidmet, die ihre Söhne zur Verteidigung der Heimat geopfert haben. Anlässlich des Muttertages in Syrien (21. März) kommen verschiedene Mütter zu Wort, deren Söhne in der Armee dienen. Selbst hierbei wurde darauf geachtet, möglichst alle Schichten und Konfessionen Syriens abzubilden, da der Staat ja Beschützer des syrischen Volkes ist. Über allem „strahlt“ First Lady Asma, die die Frauen begrüßt, umsorgt und eine herzige Ansprache hält. Am Ende singt ein Mädchenchor die Nationalhymne, während die Frauen auf das Märtyrerdenkmal in Damaskus blicken. Ein spezieller Dank wird an jene 5000 syrischen Mütter gerichtet, die alle ihre Kinder zur Verteidigung der Heimat entsandt haben.

Al-Jazeera stellt den Schauspieler Humam Hut vor, der früher zu den engsten Kontakten von Assad gehörte, sich jedoch 2012 von diesem öffentlich abwandte und nun als Oppositioneller bereits zwei Mal Tonnen von Hilfslieferungen nach Syrien gebracht hat. Andere Künstler waren stets beteiligt, ein dritter Konvoi ist in Planung. Für Hut haben die humanitären Aktionen derzeit absolute Priorität. Am letzten Freitag beteiligte sich Hut an einer Demonstration in Aleppos Bustan al-Qasr.

Im umkämpften Vorort von Damaskus, Jobar, wurde am Wochenende eine mehr als 2000 Jahre alte Synagoge zerstört, wie SPIEGEL online berichtet. Rebellen sagen, die Regierungsarmee habe die Synagoge geplündert und dann in Brand gesteckt. Der Hisbollah-Sender Al-Manar hat eine sehr kreative Version, was in Jobar geschah: „Demnach sei ein Kommando arabischer Juden vor Tagen gemeinsam mit türkischen und jordanischen Agenten nach Syrien eingesickert, habe die Thora und andere historische Dokumente aus dem Gebetshaus gebracht und das Gebäude anschließend zerstört.“

Die NYT schreibt über die Gefahren, denen syrische Ärzte im Konflikt ausgeliefert sind. Mehr als 100 Ärzte wurden bereits getötet, beinahe 500 inhaftiert. Dies und der bewaffnete Konflikt haben zur Schließung von unzähligen Krankenhäusern und einem Ärztemangel geführt. Die geheimen Feldkrankenhäuser und die medizinischen Nothelfer, oft auch Amateure, können die ärztliche Versorgung nicht ausreichend gewährleisten, Medizin ist knapp und teuer geworden. Vom Regime inhaftierte Ärzte werden brutal gefoltert, in einigen Fällen bis zum Tod. Im Artikel kommen einige syrische Ärzte zu Wort, ebenso wie im Artikel aus Eureka Springs ein mittlerweile in den USA lebender Arzt mit seinen Erfahrungen in Syrien porträtiert wird.

source : https://www.adoptrevolution.org/neue-medien-staatliche-propaganda-netzschau-02-april/

date : 02/04/2013



Inscrivez-vous à notre newsletter