Die PKK und die Baath-Partei sind zwei Seiten derselben Medaille – Bericht aus Amuda – von Aktivistin aus dem Untergrund

Article  •  Publié sur Souria Houria le 2 janvier 2013

1920 nach dem Sykes-Picot-Abkommen wurde die Region des östlichen Mittelmeers in die heute bekannten Länder Türkei, Syrien und Irak geteilt. Mit dieser Teilung wurde auch die kurdische Region entlang der jeweiligen Ländergrenzen getrennt. Manche Städte, in denen Angehörige ein und desselben Volkes leben, liegen heute auf der Grenz zwischen zwei Ländern. Ras Al Ain (kurdisch: Serê Kaniyê) ist eine dieser Städte: Eine Hälfte der Stadt befindet sich in Syrien, die andere in der Türkei. Wir in Syrien führen eine Revolution gegen die Tyrannei und das syrische Regime seinerseits versucht alles Mögliche, um diese Revolution zu unterdrücken und bombardierte so vor kurzem auch die Stadt Ras Al Ain heftig.
Die kurdische Bevölkerung Syriens pflegt trotz der Teilung der Region feste Beziehungen mit den Kurden in der Türkei. Wir sind ein Volk, das durch Verwandtschaft, Ehen oder Freundschaften über die Ländergrenzen hinweg miteinander verbunden ist. Die Bombardierung Ras Al Ains wirkte sich so auch auf die Bevölkerung in anderen syrischen Städten aus. Amûdê ist da keine Ausnahme.

 

Genauso wie die Grenzstädte zweigeteilt sind, war die Bevölkerung von Amûdê zwischen zwei Gefühlen hin und hergerissen. Einerseits hatte man Angst davor, dass die Bomben des Regimes auch auf Amûdê fallen würden, andererseits wurden die AktivistInnen von ihren Verwandten aus den bombardierten Gebieten gebraucht. Viele von der Bombardierung Betroffene aus Ras Al Ain befinden sich zurzeit bei uns in Amûdê, wo wir versuchen sie mit Brot und einem Dach über dem Kopf zu versorgen. Die Organisation Amûdê-Charity hat Hilfsarbeit geleistet und sammelt weiterhin Gelder und teilt sie auf die Flüchtlinge aus Ras Al Ain auf. Außerdem gründete sich aufgrund der Ereignisse die Hilfsinitiative Breschan-Charity (Deutsch: Charity der Armen) in Amûdê.

Die Situation in der Stadt kann man ansonsten als normal beschreiben. Dabei ist mit „normal“ natürlich nur relativ normal gemeint. Seit mehr als zwanzig Monaten ist unser Leben aufgrund der brutalen Unterdrückung durch das syrische Regime eigentlich nicht mehr normal. Trotzdem gehen die Leute immer noch auf die Straßen und fordern Freiheit. Friedliche Demos finden mindestens zwei Mal in der Woche statt. Freitags werden sie vom Komitee Amûdê organisiert und sind vor allem durch die Teilnahme von parteilosen Zivilisten geprägt. Dienstag werden die Demonstrationen vom Kurdischen Nationalrat organisiert und häufig nehmen dort Nationalisten und Parteianhänger teil.

Die Situation in den kurdischen Gebieten ist kompliziert. Vor einer ganzen Weile hat das Regime die Kontrolle über die kurdischen Gebiete an die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) übergeben, die jetzt alle Dienstleistungen organisiert: Erdgas, das Heizgas, Benzin Strom und Trinkwasser.

Die PKK behauptet ein Teil der Revolution zu sein und die Interessen der kurdischen Bevölkerung zu schützen, doch das ist eine Lüge. Die PKK spielt eine sehr negative Rolle, denn sie repräsentiert das syrische Regime in den kurdischen Gebieten. Die Parteianhänger der PKK wurden vom Regime bewaffnet und gewinnen ständig an Einfluss in der Region, während die Zivilbevölkerung sie fürchtet. Genauso wie die Schabbiha-Milizen in anderen Teilen des Landes die Bevölkerung unterdrücken, so werden die lokalen AktivistInnen hier von der PKK-Anhänger eingeschüchtert. Wir haben insgesamt nicht das Gefühl, von der PKK regiert, sondern von dem selben Regime wie vorher unterdrückt zu werden. Die PKK und die Baath-Partei sind zwei Seiten der gleichen Medaille.

Anmerkungen von Adopt a Revolution: Die Berichte der Komitees geben nicht in jedem Fall die Meinung von Adopt a Revolution wieder. Richtig zu stellen ist an diesem Bericht des Komitees Amuda, dass nicht die PKK die Kontrolle in den kurdischen Gebieten Syriens hat, sondern die PYD, die allerdings als Schwesterpartei der PKK sehr eng mit der PKK zusammenarbeitet. Ob das Regime die Kontrolle an die PYD übergeben hat oder ob sich die Sicherheitskräfte des Regimes zurückgezogen haben, weil sie keinen Konflikt mit der militärisch erprobten PYD/PKK wollten, wird von Beobachtern unterschiedlich dargestellt. Die Verwaltung und Kontrolle der PYD wird allerdings einheitlich von nicht-PYD-AktivistInnen als repressiv dargestellt.

source : https://www.adoptrevolution.org/bericht-aus-amuda-4/

date : 01/01/2013



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