« Es ist alles schlechter geworden »

Article  •  Publié sur Souria Houria le 25 avril 2012

(Tout a empiré)
25.04.2012

Zur Person
Sadik al-Azm

Sadik al-Azm, Jg. 1934, war Professor in seiner Geburtsstadt Damaskus. Als Philosoph lehrte er unter anderem in Hamburg und Berlin.

In seinem Denken wurde er stark von der Philosophie der Aufklärung und den säkularen Autoren des Abendlandes beeinflusst. Zurzeit ist er am Käte-Hamburger-Institut der Universität Bonn im Wissenschaftskolleg „Recht als Kultur“ tätig.

Ein Gespräch mit dem syrischen Philosophen Sadik al-Azm über den Krieg in seiner Heimat und die Versäumnisse der internationalen Gemeinschaft.

Sadik al-Azm, hat sich die Lage in Syrien in den letzten Wochen verändert? Die Vereinten Nationen versuchen zu intervenieren. Es gab die Abmachung eines Waffenstillstandes. Gibt es also einen Grund zu ein wenig Hoffnung?

Nein, die gibt es nicht. Im Gegenteil. Es ist schlechter als vorher. Der UN-Sondergesandte Annan hat in vollem Bewusstsein und mit bestem Wissen dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad eine schriftliche Lizenz ausgestellt, noch mehr Menschen zu töten, mehr Häuser und Städte zu bombardieren. Das alles haben die UN mit vollem Wissen über die Lage getan, als sie Assad eine Frist von 48 Stunden bis zur Waffenruhe einräumte. Es ist alles schlechter geworden. Annan, die Amerikaner, Russen oder Europäer sind alle sehr genau darüber im Bilde, was in Syrien vor sich geht, wer schießt und wer zurückschießt, sie haben alle Informationen. Insofern ist ihre Haltung abstoßend.

Auch der Waffenstillstand hat nicht geholfen?

Nach dem Freitag, dem Beginn des Waffenstillstandes zwischen Assad und der Opposition, schwiegen die Waffen für einige Zeit. Es gab erneut Demonstrationen gegen das Regime. Was aber bedeutsam an ihnen war, war ihr friedvoller und zivilisierter Charakter. Die Demonstrationen verliefen friedlicher als jene zu Beginn des Aufstandes gegen Assad. In der Zeit der harten Reaktion des Regimes gegen die Bürger und Städte, gab es eine größere Militarisierung der Menschen, die auf die Straße gingen wie auch eine größere Islamisierung des Diskurses unter den Straßenkämpfern. Die Slogans auf den hochgehaltenen Plakaten drückten verstärkt die Richtung eines militanten Widerstandes oder der Forderung nach einer auswärtigen Intervention aus. Als es am ersten Tag des Waffenstillstandes den Anschein hatte, dass die Gewalt abflauen würde, schien es, als würde die Protestbewegung etwas von ihrem alten Geist wiedererlangen. Das ist der einzige Aspekt, der dafür spricht, etwas Hoffnung zu haben.

Was erwarten Sie für die nächste Zeit? Die Rebellen sagen, es gebe keinen Grund, auf Frieden zu hoffen.

Sie haben möglicherweise recht. Es gibt wenige Gründe für die Erwartung, dass Assad seine Panzer und Truppen abzieht und die gefangenen Kämpfer freilässt, dass er Menschen die Möglichkeit gewährt, nach den unzähligen Vermissten zu suchen. Auf der anderen Seite behindern Bedenken und Zögern der internationalen Gemeinschaft ein entschlossenes Eingreifen. Je länger über einen dauerhaften Waffenstillstand gesprochen wird, desto länger wird er hinausgeschoben. Das Assad-Regime hat die Furcht, dass es bei einem Rückzug besiegt wird.

Source: http://www.fr-online.de/aufruhr-in-arabien/lage-in-syrien–es-ist-alles-schlechter-geworden-%2c7151782%2c14985528%2citem%2c0.html



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