Zivilgesellschaftliches Engagement lebt im Exil – von Mohammed (Adopt a revolution)

Article  •  Publié sur Souria Houria le 29 mai 2015

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) hat im Libanon mittlerweile 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge registriert, wovon knapp 500.000 in der Bekaa-Ebene Zuflucht gefunden haben und dort leben. Es wird angenommen, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. Die Auswirkungen des Konflikts in Syrien sind auch hier deutlich spürbar – sowohl in wirtschaftlicher, als auch politischer und demographischer Hinsicht. Die Infrastruktur ächzt unter der Belastung, was zu Problemen und Streitigkeitenzwischen der libanesischen Gesellschaft und den syrischen Flüchtlingen geführt hat. Vor allem Bereiche wie die öffentliche Gesundheitsversorgung und der Zugang zum Schulwesen sind unter Druck geraten und stehen vor dem Kollaps. Ein weiteres Problem sind die extremen Niedriglöhne, zu denen syrische Flüchtlinge in ihrer Not gezwungen sind zu arbeiten. Dadurch sinkt auch das Einkommen der libanesischen Bevölkerung drastisch, zugleich steigen die Mieten, da Flüchtlinge selbst für schäbige Unterkünfte überzogene Preise zahlen müssen. Notgedrungen siedeln sie sich deshalb auf eigene Faust an, mieten meist ein Stück Land an und nageln sich Zelte zusammen. Die offiziellen Behörden wollen keine Lager für die SyrerInnen einrichten, weil sie fürchten, sie könnten sich dauerhaft niederlassen wie die einst vertriebenen PalästinenserInnen. Anfang des Jahres hat die libanesische Regierung zudem die Aufenthalts- und Visaregeln verschärft, um die eigene Bevölkerung zu besänftigen.

Diese Faktoren sorgen für einen stetig wachsenden Konflikt im Land, der sich negativ auf beide Gemeinschaften auswirkt. Wie aber ist es möglich, einen nachhaltigen Lösungs- und Transformationsprozess einzuläuten, damit die Vorurteile abgebaut werden können?

Seit 2009 ist der Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) im Libanon aktiv und hat verschiedene Projekte zu einer nachhaltigen Konfliktbearbeitung gestartet hat. Im Projekt „Konfliktvermittlung und Integration von Flüchtlingen“ versucht das forumZFD, die Überforderung des Flüchtlingsstroms aus Syriens zu verstehen und ein konfliktsensibles Management der Krise einzuführen. Zivilgesellschaftliche Akteure, Schulen und lokale Stadtverwaltungen sind zentrale Partner des Vorhabens. Aufkommende Konflikte zwischen der libanesischen Bevölkerung und syrischen Flüchtlingen sollen konstruktiv bearbeitet werden, um die Integration der SyrerInnen zu fördern.

Einer der Partner ist hierbei die offiziell registrierte NGO Basmeh and Zeitooneh. Sie hat eine Reihe von Entwicklungsprojekten gestartet, um das Gefühl der eigenen Würde unter den syrischen Flüchtlingen im Libanon wiederzubeleben. Diese sollen nämlich eigenständig dazu befähigt werden, die Bedingungen selber verbessern zu können. Mit dieser Anlaufstelle ist ein Netzwerk entstanden, was Dienstleistungen und Informationen zur Verfügung stellt. Der Schwerpunkt der Arbeit konzentriert sich hierbei auf Hilfe und Unterstützung für die am stärksten gefährdeten Gruppen, darunter Frauen, Waisen und Behinderte. Jeden Monat werden ungefähr 15 Mietwohnungen renoviert, die von syrischen Flüchtlingen bewohnt sind. Das Programm dient dazu, die Lebensbedingungen der MieterInnen bei gleichzeitiger Erhöhung des Wertes für libanesische VermieterInnen zu verbessern.

In Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen eröffnete sie ein Krankenhaus, die kostenlose medizinische Dienstleistungen für Schwangere, Kinder unter 15 Jahren sowie Personen mit chronischen Krankheiten anbietet. Es gibt Workshops für Frauen, die Trainingseinheiten in Strickerei, Häkeln und dem Umgang mit Frauenrechten beinhalten. Heute sind mehr als 79 Frauen im Programm eingeschrieben und profitieren so von den Angeboten. Damit sich syrische Flüchtlingskinder auch weiterhin bilden können, wurde eine Schule für 300 SchülerInnen im Alter von 6 bis 14 Jahren gegründet, welche Zugang zum libanesischen Lehrplan beinhaltet und eine Kultur des Friedens unter den Kindern fördern will. Dies geschieht mit integrierten Programmen, in denen sie offen über ihre Gefühle reden und nach deeskalierenden Mitteln suchen. Im mehrheitlich von palästinensischen Flüchtlingen bewohnten Flüchtlingslager Sabra und Schatila wurde eine Initiative gegründet, um die Zusammenarbeit zwischen den EinwohnerInnen zu fördern. So wurde die Müllabfuhr neu organisiert sowie regelmäßige Aktionen angeboten, um Mauern und Gebäude zu bemalen. Auch in anderen Bereichen haben die Tätigkeiten zu einem besseren Miteinander geführt.Basmeh und Zeitooneh hat ebenfalls einen Kunst- und Kulturverein ins Leben gerufen. Der Verein setzt sich für einen sicheren Raum ein, in dem interessierte BürgerInnen an Workshops zu Musik, Theater und Bildende Kunst teilnehmen können. Im angemieteten Zentrum Kostenlose Computer- und Englischkurse für Erwachsene und Jugendliche sollen die beruflichen Kompetenzen fördern und Jobchancen verbessern. Im angemieteten Zentrum gibt es regelmäßige Ausstellungen, Theaterstücke und Filmvorführungen, die zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen. Diese Möglichkeiten sollen den Druck des täglichen Lebens mindern und nachhaltige Beziehungen aufbauen, welche die bestehenden Spannungen zwischen den Gemeinschaften reduzieren.

 

source : https://www.adoptrevolution.org/zivilgesellschaftliches-engagement-lebt-im-exil/

date : 24/05/2015



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